Neuigkeiten zum Heizungsgesetz

Tschüss, Heizungsgesetz! Und was nun?

Diese Frage stellt Alexander Blazek, Chef von Haus & Grund in Schleswig-Holstein, stellvertretend für viele Hausbesitzer, deren Heizungsanlage in den nächsten Jahren altersbedingt ausgetauscht werden muss. Zwar dürften diese nach den neuen Regelungen frei wählen, wie sie ihre Immobilie beheizen. „Allerdings ist die Frage offen, ob es schlau ist, jetzt wieder auf eine Gas- oder Ölheizung zu setzen“, warnt Blazek. Wenn die Kosten für Öl und Gas über den CO2-Preis weiter in die Höhe schnellen, könne es unwirtschaftlich werden, damit weiter zu heizen. „Unrealistisch ist, dass es in ausreichendem Maße Biogas oder -öl geben wird“, sagt der Chef der Hauseigentümer im Norden zu den neuen Vorgaben von zunächst 10 Prozent.
Ein weiteres Problem sieht er bei Gasheizungen, wenn Stadtwerke irgendwann das Gasnetz nicht weiter betreiben. „Das ist keineswegs unrealistisch, wenn zu wenig Verbraucher Gas abnehmen, weil zunehmend Hausbesitzer auf eine Wärmepumpe setzen“, glaubt Blazek.
Unabhängig von der Bundesnovelle gelte in Schleswig-Holstein das Energiewende- und Klimaschutzgesetz des Landes weiter. Nach Paragraf 16 dieses Gesetzes müssen Gebäudeeigentümer beim Heizungstausch 15 Prozent der Wärme mit erneuerbaren Energien erzeugen. An dieser Regelung sei in dieser Legislaturperiode keine Änderung geplant.

Schleswig-Holsteins Grünen-Energiewendeminister Tobias Goldschmidt schimpft ebenfalls: Die Eckpunkte des neuen Bundesgesetzes hätten ganz offensichtlich Theoretiker geschrieben, die den Zugang zur Realität komplett verloren hätten, „zu den Verbrauchern, die sich längst mehrheitlich für Wärmepumpen entscheiden; zu Wirtschaft und Handwerk, die genau damit ihr Geld verdienen; zu den Kommunen, die keine Kraftanstrengung scheuen und längst auf klimaneutrale Wärme umsteigen. Und zu den Mietern, die künftig teurem Grüngas ausgeliefert sind.“
Wenn jeder wieder alles in seinem Heizungskeller einbauen darf, komme die Rechnung später. „Denn der Preis für fossiles Gas steigt, Grüngas wird extrem teuer sein, weil es nicht in ausreichender Menge verfügbar ist“, so der Kieler Minister. Dieses Paket mache die Energiewende teurer – für den Staat und für die Menschen im Land.
Das Gebäudeenergiegesetz sei auch eine Antwort auf den russischen Energiekrieg gegen die Ukraine gewesen, erinnerte Goldschmidt: „Dass die Eckpunkte ausgerechnet am vierten Jahrestag der Vollinvasion Russlands auf den Weg gebracht werden, ist ein Offenbarungseid.“
Die Linke im Land sorgt sich um Mieter. Sie würden vorsätzlich steigenden Preisen ausgesetzt, ohne darauf Einfluss nehmen zu können. Falls Vermieter jetzt eine neue fossile Heizung einbauen, bedeute das absehbar stark steigende Nebenkosten.

Blazek hat immerhin eine gute Nachricht für Hausbesitzer, Vermieter und Mieter im Norden: Mit dem Förderprogramm Energieberatung können sich Eigentümer von Wohngebäuden informieren, was der richtige Kurs für die Immobilie ist, wirtschaftlich und klimaschonend zu heizen und wie die Immobilie sinnvoll energetisch modernisiert werden kann. Das Land fördere auch in diesem Jahr eine hochqualifizierte, objektive und individuelle Energieberatung mit bis zu 90 Prozent.

Quelle: shz

Bild: Pixabay

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